Toilet paper, ein Exkurs, 26.03.2020

Der Ansturm auf Toilettenpapier ist in Zeiten von Krisen keine Neuigkeit. So kam es bereits in Japan und in den USA  während der Ölkrise 1973 zu Panikkäufen. In HongKong wurde kürzlich sogar mittels Waffengewalt versucht, dieses begehrte Produkt im Supermarkt zu ergattern. Vergeblich.

Auch in Österreich steht man vor leer gekauften Supermarktregalen. Was wohl die Menschen mit all dem Klopapier machen? Verderblich ist es zumindest nicht. Die Panik, sein Geschäft ohne dem Papier verrichten zu müssen, ist jedenfalls unbegründet. In Österreich wird Pro Kopf etwa 10kg Klopapier im Jahr verbraucht. Im Schnitt benötigt man 1 Rolle/Person in der Woche.

Aber auch angesichts der Produktionszahlen und dem momentanen Rohstoffvorkommen kann man unbesorgt sein (wenn man davon absieht, dass für die Klopapierproduktion frische Holzfasern und somit viele Bäume benötigt werden).

Alleine in Niederösterreich werden an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr mehrere Millionen Rollen am Tag produziert.

(Kainrath, Warum um Klopapier so ein Griss herrscht, derStandard, 25.03.2020)

Für Interessierte gibt es im Folgenden einen Auszug aus einem sehr interessanten Wikipedia Artikel zur Geschichte des Toilettenpapiers! 😊 Grüße aus der Quarantäne!

Archäologische Funde[7] im ältesten Salzbergwerk der Welt, den Salzberg bei Hallstatt, lassen vermuten, dass Pestwurzen-Blätter in der Bronzezeit auch als Toilettenpapier verwendet wurden. Noch gibt es in Bayern die volkstümliche Bezeichnung Arschwurzen für diese Pflanze.

Vor Verwendung von Toilettenpapier wurden Lumpen (Textilien) oder Schwämme verwendet, manchmal sogar lebendes Federvieh, überwiegend aber keine Hilfsmittel.[8] Die linke Hand war in vielen Kulturen, insbesondere Asiens, der Körperreinigung vorbehalten, die rechte dem Händedruck und zum Essen, was eine soziale Benachteiligung Einhändiger (Strafamputation) nach sich zog.

Die erste Erwähnung von Toilettenpapier findet sich für das China des 6. Jahrhunderts. Der Gelehrte Yan Zhitui (531–591) schrieb im Jahr 589: „Ich würde es nie wagen, Papier mit Zitaten oder Kommentaren aus den Fünf Klassikern oder Namen von Weisen darauf für die Toilette zu verwenden.“[9] Im Jahr 851 schrieb ein Reisender: „Sie (die Chinesen) sind nicht sehr sorgfältig mit Sauberkeit, und sie waschen sich nicht mit Wasser, wenn sie ihr Geschäft erledigt haben, sondern wischen sich nur mit Papier ab.“[10] Für das frühe 14. Jahrhundert findet sich in Aufzeichnungen für den Raum der heutigen Provinz Zhejiang eine jährliche Produktion von 10 Millionen Packungen mit je 1000 bis 10.000 Blatt Toilettenpapier. Der kaiserliche Hof in Nanjing verbrauchte 1393 etwa 720.000 Blatt mit einer Größe von 2 × 3 Fuß. Kaiser Hongwu und seine Familie verbrauchten in diesem Jahr 15.000 Blatt einer besonders weichen und parfümierten Toilettenpapiersorte.

In Europa ist aus dem Mittelalter die Verwendung von alten Lappen, Stoffresten, Wollbällchen oder auch Moos, Blättern, Heu und Stroh belegt, ab dem 16. Jahrhundert auch von Abfall- und minderwertigem Papier.[11] Ausgrabungen mittelalterlicher Latrinen, beispielsweise aus der Hansestadt Tartu (Estland), wo mehr als 3200 als Toilettenpapier genutzte Textilreste aus mehreren Haushalten ausgewertet wurden, konnten qualitative Unterschiede der als Toilettenpapier genutzten Textilien analog zu dem sozialen Status des zugehörigen Haushaltes beobachtet werden. So bestanden die Mehrzahl der Textilreste aus wohlhabenden Haushalten aus in Streifen gerissenen, feinen und weichen Wollstoffen aus stark abgetragener Alltagskleidung, denen vereinzelt noch seidene Applikationen anhefteten. Demgegenüber setzten sich die Textilreste aus sozial schlechter gestellten Haushalten aus eher groben einfachen Stoffen zusammen, was direkt mit der von den Bewohnern getragenen Alltagskleidung korrespondiert.[12] Seide war zu diesen Zeiten extrem teuer und machte in Tartu gerade einmal 0,6 % der gefundenen Textilreste aus, ist aber dennoch in Zweitverwendung in Latrinen gelandet.[13] Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen beschrieb 1669 in seiner Continuatio des Abentheuerlichen Simplicissimi, wie aus einem Hanfsamen nacheinander Kleidung, Windeln, Schreibpapier und Packpapier wird, bis der Bogen schließlich am Abort endet.[14]

Die Nutzung von Papier stieg mit der Verbreitung von Zeitungen und dem Aufkommen der industriellen Papierherstellung. Mit der Verbreitung des Wasserklosetts in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst in England wurde spezielles Papier benötigt, das nicht zur Verstopfung der Abwasserleitungen führt.[11]

Das erste moderne, kommerziell erhältliche Papier, das in einer Fabrik speziell als Toilettenpapier hergestellt wurde, produzierte Joseph Gayetty 1857 in den USA. Es bestand aus einzelnen Blättern in einer Schachtel und war mit Aloen-Extrakten getränkt.

Das perforierte Toilettenpapier auf Rollen, wie wir es kennen, stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Das Fachblatt Papier-Zeitung erwähnte 1879 in einem Bericht über gelochtes Rollenpapier für Verpackungszwecke, dass vielfach auch derartiges Closetpapier angeboten werde.[11]

Closetpapier-Produktion der Eisenwerke Gaggenau 1891

1888 gehörten zum vielfältigen Angebot der Eisenwerke Gaggenau neben perforiertem Toilettenpapier auch passende Halter („Closetclipse für Rollenpapier“). 1891 konnte das Unternehmen täglich 2000 Rollen gelochtes Closetpapier in seiner Papier-Perforier-Anstalt produzieren, der nach eigener Ansicht damals einzigen derartigen Einrichtung in Europa außerhalb von Großbritannien.[15][16]

1928 gründete Hans Klenk in Ludwigsburg die Toilettenpapierfabrik Hakle. Damals bestand eine Rolle aus 1000 Blatt rauen Krepppapiers. 1958 verbreitete sich im Westen Deutschlands – aus Amerika kommend – das weichere Tissue-Papier, das auf der Haut angenehmer ist.[17] Hakle führte das zweilagige (1972) und das dreilagige (1984) sowie das feuchte (1977) Toilettenpapier in Deutschland ein.[1] In der DDR blieb Krepppapier die einzig verfügbare Sorte. Dabei kam es hin und wieder zu Versorgungsengpässen, die „Gegenstand unendlicher Geschichten“ und Thema der Berichterstattung in westdeutscher Presse wurden.[18][19] Generationenübergreifend charakterisierten DDR-Bürger das verfügbare Toilettenpapier – das auch Gegenstand des politischen Witzes war – im Rückblick als „hart“, „rauh“ und „viel zu dünn“.[20] Nach Westbesuchen gehörte das dortige weichere Papier für viele zu den kleinen Annehmlichkeiten, die „schmerzlich vermisst“ wurden.[21][19]

In Japan kam es 1973 während der Ölkrise zu der „Toilettenpapier-Panik“. Das Gerücht einer zu erwartenden Verknappung von Toilettenpapier aufgrund einer Beschränkung der Ölimporte führte zu Hamsterkäufen. Damit kam es zu einer Verknappung, die wiederum die Gerüchte zu bestätigen schien. Im Dezember desselben Jahres gab es auch in den USA Hamsterkäufe aufgrund einer Satiresendung im Fernsehen.[22]

In Europa wurden in Mangelzeiten (den 1920er Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs und den ersten Nachkriegsjahren) auch Zeitungen in kleine Blätter zerschnitten, an einer Ecke gelocht und mit einem Bindfaden an einem Nagel aufgehängt oder auf einen Haken gespießt. In armen Gegenden etwa Südamerikas existiert diese Praxis noch. Als Alternative gab es nach oben offene Holzkästchen, die an der Wand angebracht wurden und mit dem passend geschnittenen Zeitungspapier gefüllt wurden. In den 2010er Jahren wurde die Knappheit an Toilettenpapier in Venezuela im Zuge der dortigen Versorgungskrise an Konsumgütern (siehe Proteste in Venezuela 2014–2017) weltweit thematisiert und auf die herrschende Mangelwirtschaft zurückgeführt.[23]

2005 berichtete Die Zeit, in der westlich geprägten chinesischen Stadt Shanghai würden jährlich 140.000 Tonnen Toilettenpapier verbraucht, während es im restlichen China weitgehend ungebräuchlich sei. Für den Fall, dass sich der Trend zur Nutzung des Toilettenpapiers ins restliche China mit seiner Milliardenbevölkerung verbreiten sollte, haben sich chinesische Materialforscher mit Ersatzrohstoffen wie Stroh und Zuckerrohr beschäftigt.[1]

Aufgrund der COVID-19-Pandemie 2020 kam es weltweit zu Hamsterkäufen, die dazu führten, dass es vor allem einen Mangel an Toilettenpapier in Supermärkten gab. Einige Supermärkte limitierten daraufhin den Verkauf von Toilettenpapier an Einzelpersonen. Dieses Phänomen wurde von den klassischen Medien und in der Netzkultur mehrfach diskutiert und humoristisch verarbeitet.[24][25][26] Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldete für den Zeitraum zwischen dem 16. und 22. März 2020 eine Nachfragesteigerung beim Toilettenpapier von +211 %, mehr als drei Mal so viel wie in den sechs Monaten zuvor in Deutschland.[27] In Dänemark steigt der Preis für eine Packung Toilettenpapier als Schutz vor den aktuellen Hamsterkäufen bei jeder weiteren Packung an.[28]

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